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Gedanken rund um Menstruation,
Frau-Sein und mehr...
Buchbesprechung
zu: ‚Meine Tage’ von Gabriele Pröll
Das Buch beginnt dort, wo die Stellung der Frau noch ganz anders war,
nämlich bei Kulten von Göttinnen. Es gab in früheren Zeiten mächtige Göttinnen.
Die matriachalischen Kulturen waren über einen viele Jahrtausende, die Autorin
nennt einen Zeitraum von 100.000 Jahren, gültig.
Etwas näher beschrieben werden
Athene, die ihre
Weisheit nicht nur aus der Logik erhielt, sondern vor allem aus der Kraft
der Intuition, der inneren Kraft, der inneren Bilder.
Die ägyptische Göttin Isis steht
für Fruchtbarkeit und für die magischen Fähigkeiten des eigenen Körpers.
Sie ist eine mütterliche Göttin, die all die Kräfte ihrer Weiblichkeit kennt
und nutzt.
Schechina ist
eine jüdisch-kabbalistische Göttin, die in Verbindung mit weiblicher Sexualität
steht. Auch bei ihr spielt der Körper eine wichtige Rolle und gilt als heilig.
Sophia ist der
Geist der weiblichen Weisheit, der göttlichen Erkenntnis, die durch die
Menstruation, den ‚Lichtsamen der Sophia’ zum Vorschein kommt. So wird aus
der Menstruation Weisheit geboren. Die weibliche Weisheit zeigt sich in
inneren Bildern und Intuition, die ihren Sitz in der Gebärmutter hat.
Die Urgöttin wird als dreifaltige Göttin
dargestellt, als Symbol für die drei Phasen der Weiblichkeit: Jungfrau,
Mutter, weise, alte Frau. Die Zahl drei steht für das weibliche Prinzip,
während vier das männliche Prinzip darstellt. Zusammen ergibt das die Zahl
sieben der Vollkommenheit.
Im Zusammenhang mit den Göttinnen wurde
auch der weibliche Körper als heilig
verehrt. Heilig hat die Bedeutung von heil, heilbringend. In den alten Kulturen
entspricht die Gebärmutter dem Bauch von Mutter Erde, aus der alles Leben
entsteht. Symbolisch steht der Kessel für die Gebärmutter der großen Göttin.
Die Vulva gilt als Tor zum Leben und das Menstruationsblut selbst trug und
trägt in manchen Kulturen immer noch die Seele in sich. Weibliche Symbole
werden mit roter Farbe dargestellt, wobei manchmal das Blut selbst als Farbe
verwendet wird. Sogar bei Männerritualen bezieht sich in manchen traditionellen
Gesellschaften die rote Farbe auf das Menstrualblut.
Doch der weibliche Körper mit seiner geheimnisvollen Kraft über Wandlung und Erneuerung,
Leben und Tod hat auch viel Furcht ausgelöst. So werden in Märchen
und Mythen Symbole für die weibliche Kraft besiegt, getötet und unterdrückt.
Die Gebärmutter wurde früher wie ein lebendiges Wesen mit einem wilden Tier
verglichen, zum Beispiel mit einem Wildschwein, das beim Märchen vom tapferen
Schneiderlein in der Kirche eingesperrt wird. Die heilsame Wirkung von Menstruationsblut
wurde ins Gegenteil verkehrt und als todbringend abgestempelt. Besonders
die Kirche hat systematisch weibliches Gedankengut durch männliches ersetzt.
So wurde aus der dreifaltigen Göttin die Dreifaltigkeit Gottes, aus dem Menstrualblut
der Frauen das Blut Christi und Eva wurde aus der Rippe des Adam geschaffen
statt aus dem Bauch von Mutter Erde. Die schlimmste Bekämpfung der weiblichen
Macht erfolgte zur Zeit der Hexenverbrennungen, da in dieser Zeit den Frauen
die brutal ihre Vormachtstellung als Heilerinnen genommen wurde.
Systematisch wurden das Wissen vernichtet
und die Frauen in jeder Beziehung des gesellschaftlichen Lebens verdrängt.
An Stelle ihrer heilbringenden, mit den Zyklen der Natur verbundenen Weisheit
wurde die Rationalität gesetzt. Damit veränderte sich das Verhältnis des
Menschen zu Gesundheit und Krankheit dramatisch. Krankheit wurde und wird
wie ein Feind bekämpft, ausgerottet, vernichtet und Gesundheit als linear
gleich bleibendes Funktionieren des Körpers betrachtet. Krankheiten können
daher nur Störungen sein, wie kaputte Teile einer Maschine, die mit Hilfe
von Chemie und Technik, also Errungenschaften des rationalen Denkens, repariert
werden.
Konkret hat sich die jahrhunderte lange
Unterdrückung auf das kollektive Bewusstsein ausgewirkt und zeigt sich heute
noch in den Beschwerden und dem Umgang von Frauen mit ihrem Körper. PMS,
das wie eine Krankheit dargestellt wird, ist bei näherer Betrachtung ein Hinweis
des Körpers auf Altes, das abgestoßen, erneuert werden will. Da Frauen während der Menstruation einen stärkeren Zugang zu ihrer Intuition spüren
– auch wenn sie das gar nicht wissen – werden ihnen in dieser Zeit Ungerechtigkeiten
und Unterdrückung in der eigenen Lebenssituation aber auch in der Stellung
der Frau allgemein spürbar. Zwar haben Beschwerden vor und während der Menstruation
auch mit Hormonen zu tun, nur das ist nicht alles.
Frauenleben
verläuft zyklisch, daher ist es klar, wenn Zeiten, in denen ein Wunsch
nach Rückzug, nach Innenschau, nach Erneuerung auftaucht, stressiger erlebt
werden, weil der Raum und die Zeit für das, was jetzt wichtig wäre, nicht
da zu sein scheint. Da ein Zusammenhang zwischen Menstruation und verschiedenen
Bedürfnissen besteht, macht sich eine ständige Nicht-Beachtung der eigenen
Wünsche und Empfindungen körperlich und seelisch spürbar. Werden die nach
außen sichtbaren Zeichen von außen auch noch negativ bewertet, kommt es dazu,
daß immer mehr Wut entsteht, die sich nach innen richtet und den Selbstwert
von Frauen untergräbt.
Langsam, ganz langsam beginnen Frauen diesen
Kreislauf der Abwertung zu durchbrechen und ihr Wissen, ihre Weisheit zurück
zu gewinnen. Diese Veränderung beginnt bei der Einstellung zum eigenen Körper,
bei der Wahrnehmung der eigenen Weiblichkeit, der Rückbesinnung auf die eigene
Lebensgeschichte als Frau. Mit vielen Fragen und Anregungen zeichnet die
Autorin einen möglichen Weg, sich der eigenen Weiblichkeit zu nähern.
Die anfangs beschriebenen Göttinnen können
als große Vorbilder und Helferinnen genutzt werden, denn ‚indem wir Sauerstoff
einatmen, kommen wir mit den gleichen Atomen in Kontakt, die vor uns schon
Athene, Isis, Sophia, indianische Medizinfrauen, Heilerinnen und Ahninnen
und unzählige andere Menschen in sich aufgenommen und wieder an den Kosmos
abgegeben haben – und das seit Anbeginn der Zeit’ (Zitat Seite 131)
Um die Beziehung zum Körper zu verbessern,
schlägt die Autorin vor, mit den eigenen Geschlechtsorganen Kontakt aufzunehmen,
das eigene Blut sinnlich wahrzunehmen und mit Hilfe von Ritualen, gesunder
Ernährung und alternativen Heilmethoden zur eigenen Kraft zurück zu finden.
Immer wieder wird auf den Zusammenhang zwischen Menstruation und Intuition
hingewiesen. Durch die eigene Gebundenheit an ein zyklisches Geschehen sind
Frauen den Zyklen der Natur näher, Zyklen des Lebens – Sterbens- wieder-geboren-Werdens.
Das Wissen um diese Zyklen kann zur praktischen Lebenshilfe werden, da jeden
Monat erneut die Möglichkeit besteht, nachzuspüren, was alt und unpassend
geworden ist und erneuert werden will. Übertragen auf die ganze Gesellschaft
stehen der Welt unglaubliche Entwicklungschancen offen, wenn es uns gelingt,
neben das lineare, verständesmäßige, männliche Prinzip das zyklische weibliche
Prinzip zu stellen und zu nutzen. - soweit zum Buch "meine Tage"
dazu noch einige Überlegungen:
‚Der Körper ist intelligent – der
Kopf ist nur schmückendes Beiwerk’, hat einmal Kishi, ein japanischer
Shiatsu-Meister gesagt. Der Zyklus der Menstruation ist intelligent, lässt
zu manchen Zeiten stärker nach innen schauen, die innere Stimme hören, zeigt
innere Bilder. Die Menstruation schenkt regelmäßig Zeiten der Wandlung, der
Veränderung, wenn sich die Gebärmutterschleimhaut mit dem Blut löst und
ausgeschieden wird und Platz macht für Neues. Wie nutze ich diese Zeiten?
Wie gehe ich während dieser besonderen Zeit mit mir um? Gleich wie sonst
oder doch achtsamer? Es ist gar nicht so einfach, dem eigenen Körper zuzuhören,
ihn zu fühlen, was jetzt nötig ist, was gut tut und was stört.
Wie kann diese körpereigene Intelligenz
wahrgenommen werden? Auf jeden Fall durch das eigene Spüren, durch Selbstbeobachtung.
Wer mehr wissen will, kann sich mit ganzheitlichem Denken beschäftigen.
Es ist vernetzes Denken, und bezieht sich nicht nur darauf, Beschwerden
oder Probleme 'wegzumachen’ sondern fragt nach Lebensbedingungen, zum Beispiel
Ernährungsgewohnheiten und schließt Gefühle, Lebenshaltungen, Werte und
Gewohnheiten mit ein. Das Symptom PMS ist dann auf einmal nur ein kleines
Zahnrädchen in großen System des eigenen Lebens!
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